Früher Biedermeier-Schreibtisch mit Kurbelmechanismus, ehemals Charles Schulmeister, Österreich, wohl Wien, Anfang 19. Jahrhundert

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SKU: 023-0346

Repräsentativer Schreibtisch der frühen Biedermeierzeit, dessen Korpus allseitig in Mahagoni furniert und mit feinen ebonisierten Fadeneinlagen und Profilen akzentuiert ist. Da auch die Rückseite vollständig furniert und ausgearbeitet ist, wurde das Möbel für eine freie Aufstellung im Raum konzipiert. Von besonderer Qualität sind die Beschläge aus feuervergoldeter Bronze. Sie zeigen jeweils gespiegelte Nymphen mit Festons und Fackeln und verleihen der streng architektonischen Gestaltung einen außergewöhnlich feinen dekorativen Akzent.

Die Schreibfläche wird von einem Rollverschluss verdeckt, der zurückgeschoben werden kann. Die Schreibfläche selbst lässt sich zusätzlich nach vorne ausziehen. Dahinter befinden sich mehrere kleine Schubladen. Unterhalb der Schreibfläche gliedert sich die Front in eine Schublade und vier Türen, hinter denen sich weitere Schubkästen verbergen.

Die rechte obere Tür gibt den Zugang zu einem aufwendigen Kurbelmechanismus frei – neben der außergewöhnlichen Provenienz das besondere technische Merkmal dieses Möbels. Nach dem Aufstecken der Kurbel wird über eine Welle zunächst der hintere Aufsatz emporgefahren.

 Dieser enthält kleine Schubladen und Brieffächer mit Arkadenbögen und Messingknäufen. Bei weiterem Drehen hebt sich schließlich die gesamte Tischplatte einschließlich des Aufsatzes. Zusätzlich lässt sich die lederbezogene Schreibfläche in einen angenehmen Winkel stellen, wodurch sich der Schreibtisch in ein erhöhtes Schreibpult verwandelt.

Vergleichbare Mechanismen sind in Möbelentwürfen des frühen 19. Jahrhunderts dokumentiert, die sich heute im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien befinden. Besonders relevant sind Karl Schmidts Diverse Projektionen eines höhenverstellbaren Pultschreibtisches von 1825 (MAK, Inv.-Nr. KI 7710-13) sowie Gottlieb August Pohles Diverse Projektionen zweier Schreibtische sowie der Aufriß eines Stuhls von 1806 (MAK, Inv.-Nr. KI 7813-1).

Von besonderer Bedeutung ist die historische Provenienz des Schreibtisches. Unter der lederbezogenen Klappe befindet sich eine handschriftliche Bezeichnung in Tinte und Feder: 
„Ce bureau a appartenu à Charles Schulmeister, célèbre observateur militaire de Napoléon Ier (Voy. sa biographie dans la Biographie universelle de Michaud, 2e édition, T. 38, p. 461.)“
Zu Deutsch: „Dieser Schreibtisch gehörte Charles Schulmeister, dem berühmten militärischen Beobachter Napoleons I. (Siehe seine Biografie in Michauds Biographie universelle, 2. Auflage, Band 38, S. 461.)“

Die auf dem Möbel genannte zweite Ausgabe von Michauds Biographie universelle erschien ab 1843 und liefert zugleich einen terminus post quem für die Entstehung der Provenienzinschrift, nicht jedoch für den Schreibtisch selbst.

Charles Schulmeister (1770–1853) war einer der bekanntesten Geheimagenten im Dienste Napoleons I. Der aus Baden stammende Kaufmann und ehemalige Schmuggler wurde aufgrund seiner Fähigkeiten in Täuschung, Verkleidung und Informationsbeschaffung zu einem wichtigen Akteur des napoleonischen Nachrichtendienstes. Besonders bekannt wurde er durch seine Rolle während des Feldzuges von 1805 gegen Österreich und im Zusammenhang mit der Kapitulation von Ulm. Während der französischen Besetzung Wiens übernahm Schulmeister zudem bedeutende polizeiliche Aufgaben und hielt sich zwischen 1805 und 1809 wiederholt in der österreichischen Hauptstadt auf. Zahlreiche spektakuläre Episoden seiner Tätigkeit als Spion sind allerdings nur unzureichend dokumentiert und wurden bereits zu seinen Lebzeiten Teil seiner Legende.

 Die österreichische, wahrscheinlich Wiener Herkunft des Möbels sowie Schulmeisters enge Verbindung zu Wien während der napoleonischen Besatzungszeit eröffnen die interessante Möglichkeit, dass der Schreibtisch während dieser Jahre in seinem Umfeld verwendet wurde. Belegt ist durch die historische Inschrift jedoch zunächst die frühere Zugehörigkeit des Möbels zu Charles Schulmeister; eine konkrete Nutzung während seiner Wiener Tätigkeit lässt sich bislang nicht nachweisen.

Maße ausgezogen: 140 × 133,5 × 97 cm.

Der Schreibtisch wurde professionell restauriert und von Hand poliert.

 Literatur und Vergleichsbeispiele: Fondation Napoléon, Napoleon.org, „Schulmeister, Karl Ludwig (1770–1853), l’espion de Napoléon“.
MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien, Inv.-Nr. KI 7710-13 und KI 7813-1.


Dimensions:
Höhe: 100.0 cm | 39.37 in.
Breite: 133.5 cm | 52.56 in.
Tiefe: 80.5 cm | 31.69 in.

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